Vegane Materialien

Vegane Fair Fashion Materialien: wie nachhaltig sind sie wirklich?

Im Bereich der fairen und veganen Mode gibt es immer wieder spannende, innovative Materialien, die tolle Alternativen zu Produkten tierischen Ursprungs sein können. 

Gerade im Lederbereich lassen sich schon viele vegane Möglichkeiten finden. Aber auch für Wolle oder Seide gibt es Alternativen, die auf den ersten Blick vielversprechend sind. 

Doch wie nachhaltig sind die veganen Produkte? Sind sie wirklich auch umweltfreundlich und können wir sie guten Gewissens kaufen?

Im folgenden Artikel stellen wir dir einige der Alternativprodukte vor und schauen, was vegan und nachhaltig im Einzelnen bedeutet. 

Fair Fashion Material

Vegane Lederalternativen

Was haben Kakteen, Kaffee, Ananas, Äpfel, Pilze, Wein, Eukalyptus, Reis und Papier gemeinsam? Auch wenn man es im ersten Moment vielleicht kaum glauben kann: aus allen können Lederimitate gefertigt werden.  

Vegane Lederalternativen werden bereits von vielen Unternehmen verwendet. Als Veganer Leder darf sich erst einmal jedes Imitat bezeichnen, das nicht tierischen Ursprungs ist. Also auch Kunstleder, welches aus Polyester besteht und durch eine ressourcenaufwendige Herstellung mit hohem Energieverbrauch schlechte Auswirkungen auf die Umwelt hat, vegan bedeutet hier als – mal wieder – nicht automatisch nachhaltig und umweltfreundlich. 

Wieso bei fairer Mode vegan nicht ausreicht, kannst du in diesem Artikel nachlesen. 

Doch wie sieht es bei den Alternativen aus pflanzlichen Rohstoffen aus? Für diesen Artikel haben wir uns die Imitate aus Ananas, Pilzen und Äpfeln genauer angeschaut. 

Ananasleder:

Die spanische Designerin Carmen Hijosa hat eine Lederalternative aus Ananas entwickelt. Das sogenannte Pinatex wird aus den Fasern von Ananasblättern hergestellt. Die Blätter, die für das Lederimitat verwendet werden, stammen größtenteils von den Philippinen und sind dort ein Nebenprodukt der örtlichen Landwirtschaft. Für die Bauern entsteht so eine neue Einkommensquelle für ein Beiprodukt, welches sowieso mutgeerntet, normalerweise aber weggeworfen wird. 

Für die Herstellung von Ananasleder benötigt es keine neuen Flächen für den Anbau, was das Produkt ressourcenschonend macht: Es benötigt nicht mehr Düngemittel, Pestizide oder Wasser als ohnehin. 

Die Blätter werden nicht gewoben, man muss sie also nicht zuerst zu einem Faden spinnen. Bei der Herstellung bleibt Biomasse übrig, die beispielsweise zu Dünger verarbeitet werden kann. 

Leder aus Ananasfasern ist sehr robust, atmungsaktiv und biologisch abbaubar. 

Pilzleder:

Auch Pilzhaut kann so bearbeitet werden, dass sie eine wasserfeste und robuste Oberfläche entwickelt. Bei der Produktion von Pilzleder wird auf den Einsatz von Chemikalien verzichtet. 

Die Alternative aus Pilzen weist antibakterielle und isolierende Eigenschaften auf und hat ein leichteres Gewicht als Echtleder. 

Verschiedene Unternehmen verwenden unterschiedliche Pilze für die Herstellung des Imitates. Beim Berliner Unternehmen Zynder findet ein Zunderschwamm, ein in Rumänien verbreiteter Baumpilz, Verwendung – also ein Parasit. Somit kann ein Abfallprodukt in etwas Brauchbares verwandelt werden.

Apfelleder:

Apfelleder kann ebenfalls sehr ressourcenschonend hergestellt werden. Der Rohstoff dafür ist der sogenannte Trester, der bei der Produktion von Apfelsaft übrig bleibt. Das Lederimitat besteht zwar zum größten Teil aus natürlichem Material, benötigt jedoch in der Herstellung ein Bindemittel, das oft noch auf Kunststoff basiert – manchmal ist es aber auch ein biologisch abbaubarer Kunststoffersatz aus Milcheiweiß. 

Der Apfeltrester wird zunächst getrocknet und dann zu einem feinen Pulver gemahlen und weiterverarbeitet. Unter Zugabe eines Lösungsmittels und einem Kunststoff oder Kunststoffersatz entsteht eine Masse, die auf einem Baumwolluntergrund aufgetragen wird. Es folgen weitere Produktionsschritte, bis daraus ein Apfelleder wird. 

Apfelleder ist robust und kann vielseitig eingesetzt werden. Man kann es bedrucken oder prägen und es ist in verschiedenen Stärken mit unterschiedlicher Dehnbarkeit erhältlich. Damit kann es nicht nur in der Mode Verwendung finden, sondern beispielsweise auch als Möbelbezug oder Buchumschlag. 

Cupro – vegane Seide

Vielleicht hast du von Cupro schon mal unter den Namen Kupferseide, vegane Seide oder auch dem Markennamen Bemberg gehört. Cupro ist eine Hybridfaser und wird aus einem Abfallprodukt der Baumwollproduktion hergestellt. 

Der Stoff ist leicht, fließend und erinnert stark an Seide. Er ist feiner als Viskose, hat eine leicht schimmernde Optik und ist atmungsaktiv. 

Cupro hatte lange Zeit einen schlechten Ruf, da die Produktion früher mit einer Kupfer-Amoniak-Lösung durchgeführt wurde, die sowohl für Mensch als auch für Umwelt schädlich war. Daher wurde sie auch weltweit verboten. Der Japaner Asahi Kasei entwickelte unter dem Markennamen Bemberg eine neue Art, Cupro zu produzieren. Dabei werden geschlossene Wasserkreisläufe verwendet und das Kupfer zu bis zu 99,9 % aus dem Abwasser wiederverwendet. Im Gegensatz zu früher ist Cupro unter dieser Produktionsart auch biologisch abbaubar und Oeko-Tex zertifiziert. 

Dennoch kann man bisher nicht wirklich einschätzen, wie nachhaltig Cupro ist. Die Umweltbelastungen durch die Produktion sind sehr hoch und es gibt keine Informationen über die Produktionsstätten und damit auch nicht über die Auswirkungen, die die Produktion auf die Arbeitskräfte hat. Die Tatsache, dass Cupro nur sehr wenig Verwendung findet, deutet eher darauf hin, dass der Stoff weiterhin kritisch betrachtet werden sollte. 

Hundewolle: aus der Unterwolle von Hunden

Zugegeben, Hundewolle ist kein veganes Produkt. Sie entsteht aus der ausgekämmten Unterwolle von Hunden. Diese Unterwolle wird normalerweise weggeworfen. Da Hunde für diesen Rohstoff also nicht leiden müssen und die Hundewolle als sehr nachhaltige Alternative angepriesen wird, wollten wir sie im Rahmen dieses Artikels trotzdem genauer unter die Lupe nehmen. 

Hundewolle ist ein weicher und flauschiger Stoff. Sie erinnert an Kaschmir oder auch Angora-Wolle. Allerdings tut sich dann auch schon der erste, sehr große Haken auf: Damit man ein Garn mit guter Qualität produzieren kann, benötigt es für die Herstellung von Hundewolle eine Beimischung von 15-20 %. Diese besteht meist aus dem Fell von Merinoschafen oder Alpakas. Ganz selten wird auch veganes Tencel Lyocell beigemischt. Hundewolle ist somit aber definitiv nicht immer tierleidfrei. 

Es besteht bei Hundewolle außerdem auch die Gefahr, die es bei Produktion aus tierischem Ursprung immer gibt: Was passiert, wenn diese zum Trend wird? Momentan kann Hundewolle noch aus den Abfällen aus privaten Haushalten gefertigt werden. Doch was, wenn die Nachfrage danach immer größer wird? In einigen Ländern werden Hunde heute schon für die Produktion von Leder und Pelz gequält und getötet. Eine erhöhte Nachfrage von Hundewolle könnte das verschlimmern. 

Du siehst: es gibt schon einige spannende Alternativen zu tierischen Materialien. Während man die Wolle-Alternative sicherlich kritisch betrachten sollte und es bei Cupro nicht ganz durchschaubar ist, wie gesundheits- und umweltschonend diese wirklich hergestellt werden kann, sind wir von den Lederalternativen sehr begeistert. Zwar ist Apfelleder durch die Zugabe von Milcheiweiß nicht vegan, dennoch können alle drei vorgestellten Alternativen aus Bei- oder Abfallprodukten gewonnen werden, was sie aus unserer Sicht sehr nachhaltig macht. 

Wir sind schon gespannt, welche innovativen Produkte in den nächsten Jahren dazu kommen werden und aus welchen Rohstoffen neue, nachhaltige Materialien gefertigt werden können. 

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